Ausbildung nach der 10. Klasse? (Erörterung von drei Schülerinnen aus dem Unterricht)

Das Halbjahr neigt sich dem Ende zu und die Zeugnisse werden geschrieben. Für viele Schüler ist dieses Zeugnis besonders wichtig, da sie sich damit um einen Ausbildungsplatz bewerben möchten. Aber ob eine Ausbildung nach der zehnten Klasse wirklich die beste Lösung ist, werde ich im Folgenden erörtern.


Wenn sich Schüler über eine Ausbildung nach dem mittleren Bildungsabschluss Gedanken machen, fallen ihnen meist nur die Vorteile ein. Aber dass es auch Nachteile gibt, wird oft nicht bedacht. Einer dieser Nachteile ist, dass man keine weitere Allgemeinbildung vermittelt bekommt, sondern nur noch spezielle Themen und Fächer ausgebildet werden. Da man in der Ausbildung oft Blockunterricht hat, welcher sich auf eine Woche Schule alle zwei Wochen verteilt, müssen die Lernfächer eingegrenzt werden, damit wichtige Lernpunkte behandelt werden können. Ein Auszubildender hat dadurch in der Schulzeit Fächer wie beispielsweise Rechnungswesen, Kaufmännische Steuerung und Kontrolle oder Kundenorientiertes Verkaufen. Fächer wie Französisch, Musik oder Sport werden somit eingegrenzt oder fallen ganz weg. Ein weniger wichtiger, negativer Aspekt, der aber trotzdem zu nennen ist, ist wohl, dass man weniger Freizeit hat, wenn man eine Ausbildung macht. Ein Schüler hat einen Schultag von maximal sieben Zeitstunden und wenn er nach Hause kommt, hat er seine Freizeit, in der machen kann, was er möchte. Ein Auszubildender muss mindestens acht Stunden arbeiten, dadurch bleibt ihm weniger Freizeit. Außerdem hat ein Schüler das Jahr über ca. zwölf Wochen Ferien, was ungefähr dem doppeltem des Urlaubs eines Auszubildenden entspricht. Des Weiteren hat man oft schlechtere Aufstiegschancen mit einem mittleren Bildungsabschluss als mit einer Fachhochschulreife oder Abitur. Zwar ist es grundsätzlich auch mit einem mittleren Bildungsabschluss möglich, an eine Führungsposition zu gelangen, aber die wirklich verantwortungsvollen und entsprechend gut bezahlten Positionen werden häufig an Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur vergeben, da ihnen mehr Bildung nachgesagt wird. Nach der zehnten Klasse eine Ausbildung zu beginnen hat aber auch Vorteile. Eines davon ist, dass man dann bereits einen Einblick in das Berufsleben machen kann. Beginnt man eine Ausbildung sammelt man praktische Berufserfahrungen und kann sich dadurch, auch ohne Abitur, später im Beruf leichter weiterbilden. Man kann nach der Ausbildung eine höhere Position erhalten und somit auch einen Abschluss erreichen, der dem Abitur nahe kommt oder gleichgesetzt ist. Nach der Ausbildung ist es aber auch möglich in einem bestimmten Berufsfeld ein Studium zu beginnen und nebenbei in dem Betrieb zu arbeiten. Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass man während der Ausbildung bereits sein eigenes Geld verdient. So lernt man früher mit Geld richtig umzugehen und es wertzuschätzen und die Dinge, die man sich mit eigenem Geld kauft bekommen gleich einen anderen Wert. Manche Jugendliche kaufen sich von ihrem ersten Geld etwas Besonderes und erfüllen sich so vielleicht auch einen lang ersehnten Wunsch. Dieses eigene Geld macht die Jugendlichen auch unabhängiger, da sie ihre Eltern nicht immer nach Geld fragen müssen, sondern ihr eigenes immer zu Verfügung haben. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist wohl, dass man durch eine Ausbildung selbstständiger wird. Der Auszubildende muss sich seine Zeit zuhause und besonders während der Arbeitszeit selbst einteilen und hat keinen geregelten Stundenplan mehr wie in der Schule. Jugendliche werden durch eine Ausbildung auch zuverlässiger. In der Ausbildung hat man am Tag eine bestimmte Anzahl an Aufgaben zu erledigen, aber wann welche Aufgaben ausgeführt werden entscheidet der Auszubildende selbst, wodurch er seine Selbstständigkeit und Zuverlässigkeit unter Beweis stellen kann. Die Auszubildenden müssen sehr auf ihre Pünktlichkeit achten, alleine Aufgaben erledigen und ihre Materialien immer auf den richtigen Platz räumen, damit sie selbst und die anderen Mitarbeiter alles wieder finden, wenn es gebraucht wird.


Wie man sieht gibt es viele Gründe die für und gegen eine Ausbildung nach der zehnten Klasse sprechen. Meiner Meinung nach sollte zuerst jeder schauen, was er werden möchte und sich dann entscheiden, ob ein mittlerer Bildungsabschluss für diesen Beruf reicht oder man einen höheren Schulabschluss benötigt, oder gar ein Studium.

 

Julia Rüb, Katharina Wilhelm, Linda Silkenat